Sparkling Gossip
Vergiss mein nicht

Dunkelheit. Es ist kalt, dunkel und feucht. Schwere Ketten umschlingen meine Handgelenke. Durch das kleine, vergitterte Fenster kommt fast kein Licht mehr. Ist es nun Tag? Nacht? Ich weiß es nicht. Ich bin allein. Nur ab und zu kommt ein Wärter herein und flößt mir etwas Wasser ein. Manchmal bekomme ich ein kleines Stück verschimmeltes Brot. Ich ekle mich davor, doch trotzdem esse ich es, denn verhungern will ich nicht.
Ich sitze nur noch herum, den ganzen Tag lang. Mein einst schneeweißes Gewand ist nun grau vor Schmutz und zerrissen. An der Wand rinnt Feuchtigkeit herab. An manchen Stellen wachsen Moose. Ratten nutzen meine Zelle als Durchgangszimmer oder als Stube. Überall riecht es nach Rattenkot und ähnlichem. Doch mich stört es nicht mehr. Die Zeiten, in denen ich nur die Nase gerümpft hatte und weggegangen war sind längst vorbei. Die Ratten sind die einzigen Lebewesen, die ich den ganzen Tag sehe.
Mein einst blondes Haar hängt in langen, schmutzigen Strähnen herunter. Längst hat es seinen Glanz verloren.
Den ganzen Tag sitze ich auf dem Boden an die Wand gelehnt und denke über längst vergangene Zeiten nach. Die Zeiten, in denen ich noch ungestört über Wiesen rennen konnte, Blumen pflücken konnte und an Vergissmeinnicht riechen konnte. An den Tag, an dem ich ihn getroffen habe. Diesen Tag irgendwann im Frühjahr werde ich nie vergessen. Die Wiesen blühten wie noch nie zuvor, das Gras war saftig grün. Ich saß auf eben solch einer blühenden Wiese und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen, da war er einfach zu mir gekommen und hatte mir einen Strauß Vergissmeinnicht unter die Nase gehalten. Ich habe ihm nur in die Augen geschaut und war ihm sofort verfallen. In diesem Moment hätte ich alles getan, was er nur von mir verlangt hätte.
Der darauf folgende Sommer war der schönste, den ich jemals erlebt hatte. Mein Herz war nun verschenkt und ich hätte nie gedacht, dass der Prinz, der Besitzer meines Herzens mir jemals etwas böses hätte antuen können. Doch ich sollte mich irren. Eines Nachts, an der Wende zum Herbst, stellte er mir eine Falle und ließ mich hier her bringen.
Doch trotz seines Verrates, trotz des Hasses, der stetig in mir wächst, werde ich ihn immer lieben, ganz gleich, was er mit mir tun wird.
Ich höre Schritte. Ich vermute, es ist ein Wächter, der mir Wasser einflößen will und mir verschimmeltes Brot bringen will. Die vergitterte Tür geht auf. Es ist tatsächlich der Wächter, doch er hat keinen Krug und kein Brot dabei. Stumm kommt er zu mir und kettet mich los. „Der Herr will dich sehen“, sagt er zu mir und zerrt mich auf die Beine. Sie sind ganz wackelig, denn ich bin schon so lang nicht mehr gestanden. Der Wächter zerrt mich mit ihm mit. Ich frage mich, was man mit mir vorhat und was der Herr von mir möchte. Der Wächter führt mich in einen Raum, in dem vier Frauen stehen, denen er mich überantwortet. Als der Wächter den Raum wieder verlassen hatte, zogen die Frauen mich aus und schrubbten meinen Körper und kämmten mein Haar. Es gibt zwar keinen Spiegel, in dem ich mich betrachten hätte können, doch ich wusste, ich musste wunderschön aussehen. Das blonde Haar hing nun lang und glatt bis zu meiner Hüfte und meine blasse Haut war nicht länger schmutzig.
Es klopfte an der Tür. Ohne auf eine Antwort zu warten kam der Prinz herein. Die Frauen verneigten sich und traten zurück. Der Prinz kam zu mir und sein Blick streifte anzüglich über meinen Körper. Dann zieht er ein seidenes Band Stoff hervor, das er mir um die Augen legt. Er führt mich aus dem Raum. Ich will mich wehren, denn ich bin nackt, doch er hält mich fest, also habe ich keine Wahl und gehe mit. Ich weiß nicht, wie lang wir gehen, doch irgendwann muss ich Stufen steigen. Bei der ersten falle ich fast, doch die nächsten steige ich ohne große Zwischenfälle. Nach 6 Stufen hört die Treppe auf und zwei Paar Hände und legen mich auf etwas hohes, weiches. Den Geruch erkenne ich noch, trotz der langen Zeit, in der ich nur Rattenkot gerochen hatte. Es ist der Geruch von Vergissmeinnicht. Die weichen Blütenblätter schmeicheln über meine Haut. Plötzlich beginnt ein leiser Summgesang. Mich irritiert es, dass mehrere Menschen anwesend sind. Der Summgesang dauert lange an, immer wieder unterbrochen von Worten in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Irgendwann spüre ich einen heißen Atemzug an meinem Hals. Mein Prinz haucht mir nur noch drei Worte in mein Ohr, dann fühle ich etwas kaltes, hartes in meinem Herzen. Etwas warmes läuft über meine Haut. Erst nach einigen Augenblicken begreife ich, dass es mein Blut ist, das über meine Haut rinnt. Jemand reist mir den seidenen Stoffstreifen von den Augen und einen Augenblick sehe ich noch einmal in seine Augen. Ich fühle, rieche die Vergissmeinnicht unter meiner Haut. Dann verschwimmt alles um mich herum und ich falle in ewige Finsternis, ewige Kälte. Seine letzten Worte waren „Vergiss mein nicht!“
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