Sparkling Gossip
Five Minutes

Nach „Waking the dead – Im Auftrag der Toten: Die Uhr läuft ab“. Gesendet am 12. März 2006 auf dem ZDF.

Tick tack, tick tack, tick tack. Unaufhörlich schreitet die Uhr auf zwölf Uhr zu. Die Wärter haben mich aus meiner Zelle geholt und mich in einen Raum gebracht, den ich nie mehr verlassen werde. Ich sitze an der Längsseite eines Tisches, die beiden Polizisten jeweils an den Breitseiten. Ich stütze meinen Kopf in meine Hände, nur um diese verdammte Uhr nicht sehen zu müssen. Doch ich weiß genau, dass sie bald kommen werden. Die Uhr tickt, auch wenn ich nicht hinsehe. Ich starre die polierte Tischplatte an und sehe in mein Spiegelbild während ich mich frage, wie viele Todgeweihte bereits hier gesessen haben. Es müssen viele gewesen sein, war doch dieses Gefängnis das einzige mit einem Galgen in der gesamten Region. Viele von den Verurteilten waren schuldig gewesen und hatten verdient, was sie bekommen hatten. Doch wie viele Unschuldige waren es wohl? Unschuldige wie ich, die durch eine Intrige hier sitzen mussten und auf die Vollstreckung ihres Urteils warten.
Einen Moment lang hebe ich meinen Kopf und sehe auf die Uhr. Noch 3 Minuten bis zwölf – und die Uhr tickt. Ich sehe schnell wieder weg.
Die Polizisten zu meiner linken und rechten sitzen nur da, ohne mich anzusehen. Der eine liest Zeitung, der andere trinkt gemütlich seinen Kaffee. Keinerlei Anspannung ist ihnen anzusehen, keinerlei emotionale Regung.
Durch ein kleines Fenster dringt ein Strahl helles Sonnenlicht. Der Tag ist bestimmt schön, sonnig, aber nicht zu heiß. Angenehm warm eben, vielleicht etwas frisch, wie ein Frühlingstag eben ist. Draußen zwitschern die Vögel, das höre ich trotz der dicken Wände des Gefängnis Gebäudes. Zwar leise, aber ich höre es.
Die Uhr tickt weiter. Ich stütze meinen Kopf wieder in meine Hände und lasse mir noch einmal den Tag meines Prozesses durch den Kopf gehen. Ich sehe die drei Polizisten vor mir, die aussagen, sie hätten gesehen, wie ich ihre beiden Kollegen ermordet hätte. In Wahrheit waren sie gar nicht am Tatort. Nur ich, aber ich war nicht einmal bewaffnet gewesen. Doch natürlich glaubt man ihnen. Dann erscheint das Gesicht des leitenden Kommissars. Natürlich sagt er, dass ich schuldig sei. Der Richter versucht mich dazu zu bringen, zu gestehen. Wenn ich gestehen würde und Reue zeige, würde ich dem Galgen entgehen. Doch ich gestand nicht. Ich bin unschuldig! Also, warum soll ich dann eine Tat gestehen, die ich nicht einmal begangen habe?
Tick tack, tick tack. Unbarmherzig schreitet die Zeit voran. Einer der Polizisten bietet mir eine Zigarette an. Ich nehme sie an. Ich kann meinem Schicksal so oder so nicht entgehen können, also warum sollte ich noch auf meine Gesundheit achten? Ich zünde die Zigarette an und nehme einen tiefen Zug. Ich halte dich Zigarette in der linken Hand, mit der anderen stütze ich meinen Kopf. Noch einmal nehme ich einen Zug, dann verharre ich einige Zeit. Die Zeit schreitet voran, ich höre die Uhr schon fast ticken.
Plötzlich schwingt die Tür krachend auf. Die Polizisten springen auf, reißen mir meine Zigarette aus der Hand und drücken sie aus. Ich sehe auf und sehe meinen Henker vor mir stehen. Die Polizisten zerren mich auf die Beine und bringen mich zu ihm. Nun stehe ich Auge in Auge mit meinem Henker. Er sieht nicht so aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte, mit einer schwarzen Kapuze über dem Kopf und kalten Augen, die einen aus kleinen Sehschlitzen heraus ansahen. Nein, so war er nicht. Er war eher eine unauffällige Person. Mit dem Haarring um die kahle Glatze, der Hornbrille auf der Nase, dem grauen Anzug und dem Taschentuch in der Brusttasche sah er eher aus wie ein Geschäftsmann als ein Henker. Er sieht mich einen Augenblick an, dann sagt er: „Kommen sie bitte mit.“ In just dem selben Moment öffnen die beiden Polizisten die große Schranktür an der Wand zu meiner rechten. Dahinter kommt die Richtstätte zum Vorschein. Über einer kistengroßen Falltür baumelte eine Schlinge aus einem breiten Strick. Durch die Erschütterung hat sie etwas zum schwingen begonnen. Dahinter stand ein Priester, der aus der Bibel zitierte.
Ein Polizist, der mit dem Henker herein gekommen war, bindet mir mit einer Art Gürtel aus Leder die Hände. Der Henker läuft voraus und ich werde hinter ihm her geschubst. Als ich direkt vor der Schlinge stehe, bindet man mir auch die Füße zusammen. Ich atme gehetzt und der Schweiß rinnt über mein Gesicht. Der Henker zieht das, was ich vorher für ein Taschentuch gehalten habe heraus und es entpuppt sich als eine Art Sack, der mir über den Kopf gestülpt werden soll. Der Henker wollte dies gerade tun, da gibt der Priester ihm ein Zeichen, er solle innehalten. „Bei meiner Seele, ich bin unschuldig!“, sage ich gehetzt. „Man wollte mir etwas anhängen!“ Der Henker sieht mich an. Ich weis, er kann meine Hinrichtung nicht verhindern. Und doch hoffe ich, irgendwo in meinem Herzen.
Der Henker sieht mich an und hebt die Hände um mir den Sack über den Kopf zu ziehen. Langsam verschwindet sein Gesicht hinter makellosem weiß. Ich merke, wie er mir die Schlinge um den Hals lege. Mein Atem wird immer schneller und schneller. Ich sauge das weiße Leinen immer an meinen Mund, wenn ich Luft hole und blase es wieder weg, wenn ich ausatme. „Achtung“, höre ich den Henker sagen und etwas klicken. Vermutlich ist es die Sicherung für die Falltür, die er entfernt hat. Ich höre seine Schritte. Dann ist einen Moment absolute Stille. Draußen singen die Vögel ihr fröhliches Lied und mir rinnt der Schweiß über das Gesicht. Nichts außer des Vogelgezwitschers durchbricht die Stille. Plötzlich zerreißt ein lautes Krachen diese Ruhe und ich merke, wie der Boden unter meinen Füßen schwindet. Ich falle einen Meter, vielleicht zwei, dann schnürt sich die Schlinge um meinen Hals. Ich schnappe nach Luft, doch der Strick raubt mir unbarmherzig den Atem. Ich kämpfe gegen den enormen Druck an und versuche zu Atmen, doch ich weiß, ich kann nicht gewinnen. Am Ende verliere ich den Überlebenskampf und der Strick presst den letzten Lebenshauch aus mir.
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